Verfasst von: willanders | 2. April 2009

Sehbefehl: Gran Torino

Ausländerproblematik auf Amerikanisch erzählt. Das heisst verpackt in eine spannende, vielschichtige Geschichte aus dem amerikanischen Alltag dieser Tage, etwas rührselig (hier aber nicht zu kitschig) mit überraschendem Ende. Hinzu kommt noch ein gutes Drehbuch und tolle Schauspieler – was will man mehr? Habe den Film gerade gesehen und wollte meine Begeisterung schnell teilen.


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Walt Kowalski (Clint Eastwood) ist ein grimmiger, alter Mann, der als letzter Weisser in einem runtergekommenen, ehemaligen Detroiter Arbeiterviertel lebt. Seine alten Kumpels aus der Ford-Fabrik sind längst gestorben oder fortgezogen. Verbittert sieht er zu wie immer mehr Ausländer in seine Nachbarschaft ziehen. Am Sarg seiner Frau stehend, sieht man dem Koreakriegsveteran die Galle förmlich überlaufen, als er die vorgestanzte Predigt des jungen Priesters vom Leben und Tod hört, und seine beiden Söhne ansieht, mit denen ihn nichts verbindet.


Seine neuen Nachbarn vom Nebenhaus – aus dem Volk der Hmongs (jetzt aber schnell googeln!) – begrüsst er mit unverhohlener Feindschaft. Seine Vorurteile finden zunächst Bestätigung, als Thao, der Teenagersohn, versucht Walts ganzen Stolz, seinen 1972er Ford Gran Torino zu klauen. Der Rentner kann den Diebstahl aber verhindern und als die Familie des Jungen darauf besteht, dass Thao seine Schuld bei ihm abarbeitet, entwickelt sich zwischen den beiden eine liebevolle Vater-Sohn-Beziehung.


Doch dann wird Sue – Thaos Schwester, die Walt zuvor wiederholt mit vorgehaltener Waffe vor Gewalt ausländischer Verbrecher rettet, und mit der ihn seitdem eine innige Beziehung verbindet – von ihren eigenen Leuten vergewaltigt und fast totgeschlagen. Was danach kommt, ist …. Hehe, ich werd euch doch nicht das Ende verraten! Nur so viel: Clint Eastwood wäre nicht Clint Eastwood, wenn er dies nicht rächen würde.


Diese Geschichte könnte genauso auch im heutigen Hamburg-Billstedt, Duisburg-Marxloh oder Köln-Ehrenfeld spielen. Was aber diesen amerikanischen Film von einem ähnlichen Streifen deutscher Machart unterscheidet ist die Tatsache, dass Eastwood sich wenig um politische Korrektheit kümmert. Er nennt die Ausländerprobleme beim Namen. Der brutalen Gewalt der Ausländer weicht Kowalski nicht etwa zurück, und seine etwaige Feigheit versteckt er nicht unter dem Mantel von „Toleranz“, „multikulturellem Verständnis“ und „Ausländerfreundlichkeit“. Nein, er weicht keinen Milimeter zurück. Zugleich aber entwickelt er sich zu einem heldenhaften Freund und Helfer seiner ausländischer Nachbarn.


Was die Geschichte für Menschen aller Kulturen nachvollziehbar macht ist die Tatsache, dass hier die Täter böse sind und die Opfer unschuldig. Clintwood schafft es hier spielend, vor dem schwarz-weissen Hintergrund bunte, vielschichtige Figuren zu zeichnen. Es fehlt die in deutschen Medien häufig anzutreffende Verdrehung der Rollen nach Gutmenschenart: Das vergewaltigte Mädchen – die Schlampe! – ist selber schuld an ihrer Vergewaltigung, die volle Sympathie und Fürsorge gilt dagegen den ach so armen Vergewaltigern. Es fehlt auch der von den Gutmenschen so beliebte pädagogische Fingerzeig, der den Vorwurf an die böse Gesellschaft beinhaltet, die ja die Ausländer ach so ungerecht behandelt und diese auf die kriminelle Laufbahn förmlich treibt. Nein, hier ist Gut gut, Böse ist böse. Keine Verdrehung im Dienst einer politischen Ideologie. Und das macht den Film glaubwürdig.


Kurzum: einer der besten Filme seit langem. Ein klarer Sehbefehl.


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