Verfasst von: willanders | 17. Mai 2009

San Pedro wollte nicht nach Suluan

… und so landete er in Sulangan, genauer gesagt die Statue des San Pedro di Padua. Sulangan, das philippinische Lourdes ist nur eine halbe Stunde von uns entfernt. Am äussersten Südzipfel von Eastern Samar steht die wohl berühmteste Wallfahrtskirche der Philippinen. Es kommen Pilger von überall her, um zum San Antonio di Padua zu beten und um Lösung ihrer Probleme zu bitten. All diejenigen, die nicht die nötige Zeit für Gebete haben, können alte Frauen vor der Kirche mieten, die für einen, drei oder neu Tage beten, oder auch länger, wenn es sein muss. Man kann aber auch das eigene Anliegen auf einen Zettel schreiben und in eine Box werfen. Diese Briefe werden von den hiesigen Priestern gesegnet.

Ursprünglich war die Statue des Heiligen für die Nachbarinsel Suluan gedacht. Aber jedes mal wenn die Leute versucht haben, diese Statue dorthin zu verschiffen, sorgten Stürme, rauhe See, Meeresströmungen oder Schiffshavarien dafür, dass die Boote nicht nach Suluan gelangten, sondern in Sulangan strandeten. Und so haben die Leute aufgegeben, weil sie verstanden hatten, dass Gott die Figur in Sulangan haben will. Sie bauten eine Kapelle und stellten dort die Statue auf. Im Laufe der Zeit ereigneten sich hier unerklärliche Dinge – Heilungen, Rettung vor Naturkatastrophen, Erhörungen von schier unmöglichen Anliegen -, welche die Leute dem San Antonio zugeschrieben haben.

Im Laufe der Jahre verbreitete sich der Wunderruf von San Antonio über ganz Philippinen. Und so kommen jetzt die Pilger von überall her. Das verschlafene Fischerdorf am Ende der Welt begann zu wachsen und wächst bis heute, scheinbar ohne jeden Plan. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, dass Sulangan den Weg viele anderer Orte dieser Art gehen wird, bis hin zu einer blühenden Religionsbusinesslocation mit angeschlossenen Ressorts für Surfer und andere Touristen. Clevere Geschäftsleute werden die Bedürfnisse der Leute nach innerer wie äusserer Heilung und Erholung zu befriedigen wissen.

Die Grundstücke sind alle verkauft, an reiche Filipinos und Ausländer, selbst Araber versprechen sich Profit aus dem christlichen Glauben zu ziehen. Geld stinkt bekanntlich nicht und kennt keine Religionszugehörigkeit. Mehrere Projekte sind geplant, jedoch wegen Geldmangel und Wirtschaftskrise erstmal auf Eis gelegt. Aber wie die Surfer auf die perfekte Welle im sicheren Wissen dass sie kommen wird warten, so warten die Investoren auf den richtigen Augenblick, um diese Insel in ein blühendes Touristenzentrum zu verwandeln. So sicher wie die Welle, so wird auch die Zeit der Businessleute kommen.

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Typisches Gewusel vor der Kirche am Sonntag morgen.

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Das Innere der Kirche, leer

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Vor der Statue bildet sich nach jedem Gottesdienst eine lange Schlange. Schon von der blossen Berührung der Figur verspricht man sich Wunder

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Eine Seitenkapelle

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San Antonio di Padua – mit dieser Statue hat alles angefangen

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Typische Muschelornamente

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Vor der Kirche wird solcher Schmuck angeboten

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Jeden Sonntag nach dem Gottesdienst verliest der Priester minutenlang die Namen der Spender – die Kirche baut an…

P1070305… und nimmt Stellung zu politischen Themen

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Morgens auf dem Weg zur Kirche…

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… und abends – nach einem Strandausflug auf Calicoan – auf dem Weg nach Hause kommen wir am irdischen Paradies vorbei. Christof Schlingensief hat recht: „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein.“  Kleiner Scherz.

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