Verfasst von: willanders | 12. März 2010

Ronas Taufe

Nachdem Josephs 25jährige Frau Reya – siehe hier , übrigens einen Tag nach unserem Besuch in Sinarayan – mit dem Reiskochen für sich und ihre vier Kinder in ihrer dirty kitchen draussen hinter ihrer Nippahütte fertig war und die Kinder gerade beim Essen waren, kam Rona zur Welt, ihr fünftes Kind.

Weil der Schwiegervater gerade des Weges kam, rief Reya ihn herbei, und er schnitt ihr die Nabelschnur mit dem Küchenmesser durch. Kurz darauf stand Reya auf, mit der einen Hand räumte sie den Tisch ab, während sie im anderen Arm Rona hielt und ihr die Brust gab. Am Abend, als Joseph aus dem Dschungel kam, gab er wie es sich gehört eine Runde für die Nachbarn aus.

Als Paten für das Baby wurden der Onkel aus Deutschland und Tante Risa schnell auserkoren – die liessen sich nicht zweimal bitten und sagten noch schneller freudig zu. Und so machten wir uns am Mittwoch, wegen der Hitze kurz nach dem Sonnenaufgang, auf den Weg nach San Roque. Raus aus Guiuan richtung Norden, an Bagtongs einziger Kreuzung nach rechts abbiegen, kurz über einen kleinen Pass drüber und rein in den Dschungel. Nach etwa 1,5 Stunden Fahrt, vorbei an der schönen und malerisch gelegenen Kirche von Asgad:

stellte ich unser Motorrad vor ihrer Nippahütte ab, und wir drei machten zum ersten Mal Bekanntschaft miteinander:

Der Zeitpunkt für die Taufe stand allerdings noch nicht fest. Als Konkurrenten sassen da sechs heiratswillige Paare in der Barangay Hall und warteten auf den Mayor aus Salcedo, der versprach diese jungen Leute am selbigen Mittwoch gratis zu ehelichen. Es ist Wahlkampf auf den Philippinen und alle die wiedergewählt werden wollen, machen den Wählern Geschenke. Üblich sind T-shirts mit dem Namen des Kandidaten drauf, aber manchmal verzichtet der bereits amtierende Politiker eben auf die Gebühr für die Heirat und hofft so auf die Stimmen dieser Frischvermählten und ihrer Verwandten. Weil sich die Ankunft des Mayors verzögerte, entschied der Priester, Ronas Taufe vorzuziehen. Und so liefen wir die Zweihundert Meter zur Kirche:

Die Taufzeremonie war schlicht und würdevoll:

Und alle waren glücklich:

Nach der Taufe sind Risa und ich noch kurz nach Burak gefahren. Dort hat einer der Wahlkämpfer gerade Lesebrillen – für jeden eine, gegen Unterschrift nach Erhalt – unters Volk verteilt:

Hier haben wir bei Verwandten und Freunden kurz vorbeigeschaut und hallo gesagt. Damit wir noch vor Sonnenuntergang raus aus dem Dschungel sind, starteten wir am frühen Nachmittag unsere Rückkehr. Auf dem Rückweg haben wir noch kurz bei Ronas Taufgesellschaft angehalten – die war inzwischen ausgiebig am Feiern. Weil wir auf die feuchte Fröhlichkeit verzichtet hatten, sind wir noch rechtzeitig vor Anbruch der Dunkelheit zurück in Guiuan angekommen.

Und hier noch ein paar bewegte Bilder vom Tage:

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Responses

  1. Wie immer war dein Bericht eine wahre Freude! Und die kleine Rona steht dir gut!
    Es ist für mich immer wieder bewundernswert, wie bei Euch GELEBT wird. Auch meine Mutter erzählte mir, dass früher hier Kinder während der Feldarbeit bekommen wurden.
    Um ehrlich zu sein, ich halte hier von den ganzen Geburtsvorbereitungskursen usw. nichts. Ich war damals 1 mal dort und hab mir gedacht, was soll denn der Quatsch. Und Sarah ist nun 19 und es hat ihr nicht geschadet.

    So nun bekommst du von mir noch eine Aufgabe:
    Gratuliere Joseph und Rena herzlich von mir und wünsche Rona alles Liebe und Gute für ihr Leben, von der Unbekannten aus Deutschland 🙂

    LG auch an Euch 🙂

    • haha das mach ich bestimmt, wird auch nicht lange auf sich warten lassen, weil Risa ständig von „Rona besuchen“ spricht…

  2. und das mit dem „GELEBT“ – da hast du recht. Geld und alles was es mit sich bringt haben die meisten nicht, nur ein kleiner rest hat viel davon. der masse der leute bleibt nichts anderes übrig als einfach zu leben. zum beispiel die kinder. ich habe bisher kaum kinderspielzeug gesehen in den familien, und ich habe viele kinder hier besucht. die kinder spielen hier mit kronkorken, steinen und ihren badelatschen auf der strasse – und alle sind ständig auf der strasse. in den internetcafes hocken nur ganz wenige die sich das daddeln dort leisten können, die meisten der kids spielen miteinander, wie ich noch in meiner kindheit. übrigens vieles hier erinnert mich an unsere lebenswelt vor zig jahren. das leben hier ist simpel, was meinem schlichten gemüt sehr entgegen kommt.

  3. Ich hoffe sehr, das den Menschen dort das Glück „Mensch zu sein“ noch lange bewahrt wird. Denn das haben wir Westeuropäer usw. leider verlernt. Zumindest die neue Generation.
    Und das ist auch das, was mir und meiner Familie großen Kummer bereitet.
    Meine Tochter ist jetzt 19 Jahre alt und kommt mit ihrer „Egoistengeneration“ _ wie sie immer sagt – nicht gut klar. Wie sagt sie so schön :“ Das sind doch alles Borderliner“.
    Traurig aber war.
    Um so mehr freut es mich für DICH, dass du dort dein Glück gefunden hast.
    LG auch an deine „Beste Ehefrau von Allen“


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