Verfasst von: willanders | 19. Juni 2009

Schweine-Grippe

nein, wohl keine Schweinegrippe (H1N1), aber eben eine Schweine-Grippe hat Risa und mich flachgelegt. Trockener Husten, plötzliche und anhaltende Müdigkeit, laufende Nase, Hals- und Gliederschmerzen, leichte Übelkeit hatten wir beide, aber kein Fieber. Zuerst Risa und mit eintägiger Verzögerung auch ich. Seit gestern nehme ich einen Schleimlöser und es geht heute schon wieder besser. Angefangen hat das letzten Samstag. Da waren wir mit Risas Familie, die uns diese Woche besuchte, am Strand. Risa und ich haben mehrere Stunden ununterbrochen im Wasser mit schwimmen und schnorcheln verbracht. Da es an diesem Tag nicht allzu warm war, haben wir uns wohl eine Erkältung geholt. Die anderen waren gar nicht oder nur ganz kurz im Wasser (alles Nichtschwimmer, bis auf Risas Mutter) – und keiner von denen ist krank geworden, nur wir beide Wasserratten.

Hätten wir keine Nachrichten über die H1N1 gehabt, dann hätten wir gedacht, wir haben uns einfach erkältet, aber bei der ganzen Panikmache… Nachdem die Symptome drei Tage anhielten, haben wir kurz überlegt, zum nächsten Krankenhaus nach Tacloban zu fahren, haben den Plan aber verworfen: Sich für drei Stunden in einen Kleinbus zu quetschen, um damit mit einem stets lebensmüden Fahrer über Milliarden von grossen und riesengrossen Schlaglöchern entgegen der nächsten Krankenstation zu rasen, erschien uns bei einem Prozent H1N1-Todesrisiko als zu gefährlich. Und so sind wir zuhause geblieben. Unser heutiger Zustand zeigt, dass diese Entscheidung richtig war. Ob es eine Schweinegrippe oder nur eine Schweine-Grippe war, wird sich bei der nächsten Blutuntersuchung wohl zeigen.

Verfasst von: willanders | 15. Juni 2009

Man ist so alt…

… wie das Durchschnittsalter der Bevölkerung. Bin gerade zufällig über eine Website mit Statistiken gestolpert. Sehr interessant beispielsweise die Seite mit den Durchschnittsalter der Länder dieser Welt. Um Deutschland zu finden, muss man ganz ganz tief scrollen. Ganz ganz unten, kurz vor Monaco und Japan stehen wir da mit 42,6 Jahren an dritttiefster Stelle, gefolgt von Italien und all den anderen reichen Ländern.

Dagegen sind die Filipinos mit 22,5 Jahren viel weiter oben zu finden. Und den Beweis, dass die Statistik stimmt, sehe ich sobald ich vor die Tür trete: lauter junge Leute und Kinder – manchmal beide zusammen als Mutter-Kind-Ensemble.

Das Strassenbild in Deutschland wird mir beim nächsten Besuch ganz bestimmt wieder einen tiefen Schock versetzen. Nicht nur, dass es da von Alten nur so wimmelt, hinzukommt noch, dass die Strassen alle wie leergefegt sind. Wer soll in Deutschland in 15 oder 25 Jahren die Renten generieren, wer die Waren kaufen, wer all die Alten pflegen?

Verfasst von: willanders | 14. Juni 2009

Aktivitäten der islamischen Friedensbewegung

Die Tagesschau berichtet aus der südlichsten Provinz Mindanao, die seit Jahrzehnten von den islamischen Mörderbanden terrorisiert wird.

Kämpfe im Süden der Philippinen – Hunderttausende Menschen auf der Flucht

Im Süden der Philippinen flüchten nach schweren Kämpfen zwischen muslimischen Rebellen und Regierungstruppen immer mehr Menschen. Das Welternährungsprogramm WFP sprach von einem drastischen Anstieg allein in den vergangenen Wochen. Ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht – im Gegenteil.

Nach schweren Kämpfen zwischen der philippinischen Armee und Rebellen der muslimischen Moro Islamic Liberation Front (MILF) sind im Süden der Philippinen Hunderttausende Menschen auf der Flucht. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR warnte vor einer humanitären Katastrophe.

Am vergangenen Wochenende hatte die Armee aus der Luft und mit schwerer Artillerie Stellungen der MILF angegriffen. Die Bewohner der Ortschaften in der Region flohen daraufhin aus ihren Dörfern und leben jetzt in Flüchtlingslagern oder bei Verwandten in anderen Teilen der Insel Mindanao, insgesamt schätzungsweise 300.000 Menschen. Stephen Anderson vom Welternährungsprogramm WFP sagte im australischen Rundfunk: „Die Zahl der Flüchtlinge ist in den vergangenen Wochen drastisch angestiegen. Seit die Kämpfe begonnen haben, sind mehr als 100.000 Flüchtlinge hinzu gekommen.“

Reisrationen gegen Güter?

Medienberichten zufolge verkaufen viele Flüchtlinge ihre Reisrationen, um Geld für andere dringend benötigte Güter zu bekommen. Die Armee stellte elf Tonnen Reis aus WFP-Beständen sicher, die illegal an Reishändler verkauft worden war. Außerdem wurde berichtet, dass Hilfsgüter des Welternährungsprogramms an Rebellen weitergegeben worden seien. „Es gab einzelne Berichte über solche Vorfälle. Dabei handelt es sich aber um persönliche Verbindungen zwischen Flüchtlingen und den Rebellen. Einige der Kämpfer sind direkte Verwandte“, sagte Anderson.

Angefangen hatten die Kämpfe im August vergangenen Jahres, als das Oberste Gericht der Philippinen einen Friedensvertrag zwischen der Regierung und den Rebellen für verfassungswidrig erklärte. Darin war eine Teilautonomie für die Muslime im Süden der sonst weitgehend katholischen Philippinen vereinbart worden. Einige Gruppen der Moro Islamic Liberation Front hatten daraufhin christliche Dörfer in der vorgesehenen Autonomie-Zone überfallen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

General Alfredo Cayton, von der 601. Infanterie-Brigade sagte, die Armee werde alles tun, um die Täter zu schnappen: „Die haben mit den Kämpfen angefangen. Sie haben christliche Dörfer in Nord-Cotabato angegriffen, sie haben Häuser niedergebrannt und unschuldige Zivilisten getötet. Wir sind hier dabei, Recht und Ordnung wiederherzustellen und die Verantwortlichen für diese Verbrechen zu fassen.“

Die MILF, die seit Jahrzehnten für eine Autonomie der mehrheitlich von Muslimen bewohnten Provinzen auf der Insel Mindanao kämpft, wirft der Armee widerum vor, Wohngebiete zu bombardieren und für die humanitäre Katastrophe verantwortlich zu sein.

Jazali Jaafar, der stellvertretende Vorsitzende der MILF, verlangte einen Waffenstillstand, um die Hintergründe der Gewalt zu untersuchen: „Die Regierung hat die MILF beschuldigt, mit den Kämpfen angefangen zu haben. Aber das muss erst noch untersucht werden. Eine internationale Beobachtergruppe soll kommen und das ganze untersuchen.“

Mohagher Iqbal, der Chefunterhändler der Moro Islamic Liberation Front, räumte hingegen ein, dass es MILF-Rebellen waren, die im August vergangenen Jahres den Waffenstillstand gebrochen haben. „Wir geben zu, dass es unsere Leute waren, die mit den Kämpfen angefangen haben. Aber danach haben wir die Anführer der einzelnen Gruppen aufgefordert, sich zurückzuziehen. Daraufhin sind sie in ihre Camps zurückgekehrt. Doch seitdem geht die Armee mit großer Härte gegen unsere Gruppen vor und durch diese Angriffe ist viel Leid in Mindanao ausgelöst worden.“

Besonders bemerkenswert in dieser Meldung finde ich die Aussage des mohamedanischen Funktionärs,  der die Wahrheit sagt.  Für einen Mohamedaner erstaunlich. Wahrscheinlich haben die Regierungsstellen unumstössliche Beweise gehabt, die nicht umgedreht werden konnten.

Verfasst von: willanders | 12. Juni 2009

Armut auf den Philippinen – die erste

Risa ist wieder da, und weil heute Unabhängigkeitstag der Philippinen ist, dachte ich mir, ich häng meine beiden Flaggen ab. Ich will ja nicht so sein. Aber dafür ist die Wäscheleine heute voll mit nasser Wäsche, hehe. Von meiner Veranda aus wird mit harten Bandagen gekämpft… na zumindest mit Tshirts und Unterhosen. Zum Hintergrund dieser Geschichte siehe meinen vorherigen Beitrag: Fahnenflucht oder widerstehen. Aber jetzt ist schluss mit solchen Belanglosigkeiten. Weiter geht’s mit ernsten Themen.

Auch an einem Nationalfeiertag (oder gerade dann) komme ich nicht umhin, über einen besonders schweren Armutsfall hierzulande zu berichten. Es handelt sich um eine fast erblindete Greisin, die mit Tränen in ihren ermatteten Augen, barfuss (… na ja fast),  einen elendweiten Weg durch diese ungerechte Welt auf sich nehmen muss, um an ihren hart erarbeiteten Altersgroschen ranzukommen, um diesen dann auch gleich für eine lange fällige Augen-OP ausgeben zu müssen.

Aber wer kann diese Tragödie besser in Worte fassen, als diese arme Kreatur selbst. Mit tränenerstickter Stimme berichtete sie gestern: „Ich besitze buchstäblich nichts, ich habe kein Geld. Ich musste auf die letzte Reserve meines verstorbenen Mannes zurückgreifen, der noch nicht mal beerdigt ist. Das ist eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit! Haben Sie Gnade mit mir. Für jede meiner OPs habe ich ein Vermögen ausgeben müssen. Ich besitze nichts mehr. Ausserdem werde ich seit 23 Jahren gerichtlich verfolgt. Dabei will ich nur allen Armen helfen, wie ich das früher immer getan habe. Geben Sie mir die Chance… zu lieben. Bin ich schuld, nur weil ich geliebt habe?“

Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen:Imelda

Ein kurzer Abriss der reichhaltigen Lebensgeschichte dieser Dame steht hier: hier

und hier kann man sich über die Vermögenssituation der Familie informieren.

Verfasst von: willanders | 10. Juni 2009

Fahnenflucht oder widerstehen?

Gestern kam unser Vermieter zu uns hoch, um die fällige Miete zu kassieren. Bei diesem Anlass hat er mich gebeten, unsere Wäsche nicht mehr auf der Veranda an der Hofseite zu hängen

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also zwischen mir und Jesus, sondern auf der Veranda an der Rückseite. Die Nachbarin hätte sich bei ihm beschwert. Diese Nachbarin haben wir bisher nur einmal zu Gesicht bekommen, und nach der dreiminütigen Unterhaltung vor etwa drei Wochen war Risa hin und weg über diese ältere Dame. Und hinterher geht diese „sehr nette“ Frau zu unserm Vermieter und beschwert sich über unsere hängende Wäsche.

Die Liste war aber noch zu Ende. „Wo wir schon dabei sind… Welche Flaggen sind das hier?“, der Vermieter deutete auf die Deutschland- und die Chinaflagge, die von Anfang an auch an der Wäscheleine hängen.

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„Also… wissen Sie… wir sind hier keine offizielle Regierungsstelle, sondern nur ein Privathaus… Die Nachbarn haben schon gefragt…“, schob er noch nach. Die Filipinos kommen selten und sagen einem etwas ins Gesicht, das passiert meist hinterm Rücken, über andere Menschen. Jemand wird beauftragt etwas einem anderen zuzutragen. Ich hasse diese Art, aber muss mich wohl dran gewöhnen. Man ist ja Gast hier. Ich glaube, diese Art ist auch der Grund für den Riesenerfolg des Katholizismus auf den Philippinen. Man bittet Maria Muttergottes sich bei Jesus für das eigene Anliegen einzusetzen. Nicht direkt bei Jesus, das ist für die meisten Filipinos unvorstellbar. Auch wenn es im Neuen Testament tausendfach so steht.

Ich überlege aber immer noch, ob ich mich dem fügen soll oder nicht. Ist irgendwie frech und geht zu weit. Ich werd mal mit Risa drüber am Sonntag nach Ihrer Rückkehr von dem Kurs in Tacloban sprechen und sie fragen wie sie das als Filipina sieht.

Verfasst von: willanders | 3. Juni 2009

Das Gefangenen-Ballett von Cebu

Vor drei Jahren noch passte auch für das Cebu Provincial Detention and Rehabilitation Center der Spruch der philippinischen Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo (von der übrigens die meisten Filipinos sagen, sie gehört als erste in den Knast): „Lebenslänglich in einem philippinischen Gefängnis ist schlimmer als die Todesstrafe“, wie die Faust aufs Auge. Niemand konnte ruhig an den Zellen entlang gehen. Die Häftlinge galten als unberechenbar, Drogenkonsum war so selbstverständlich wie der Toillettengang, Banden beherrschten den Alltag und terrorisierten nicht nur die Mitgefangen sondern auch das Personal. Nicht wenige der Kämpfe endeten tödlich. Kein Wunder, wenn mehr als 300 der Insassen wegen Mordes einsitzen, und der Rest aus Schwerverbrechern jeder Art besteht. Wie alle Gefängnisse hier zulande war auch das CPDRC die Hölle auf Erden. Weil eine unmittelbar bevorstehende und nicht beherrschbare Gewaltexplosion befürchtet wurde, holte man den Sicherheitsberater der Provinz Cebu Byron Garcia zu Hilfe. Dieser wurde gleich zum Direktor ernannt.

Eines Morgens schaute er den Häftlingen bei ihrer Morgengymnastik im Gefängnishof zu. „Da muss mehr Pepp rein!“ – dachte er, als er die lustlosen Verrenkungen der meisten sah. Er entwickelte ein Fitnessprogramm, an dem jeder Knasti eine Stunde am Tag teilnehmen sollte. „Eines Tages sah ich die orangefarbenen Wellen der Gefangenen und dachte: Das ist irgendwie gut.“ – fügt er hinzu.

Das fanden die meisten Knastbrüder auch. Während sie früher den ganzen Tag nur herumlungerten, treffen sie jetzt mindestens fünfmal die Woche ihre Tanzlehrerin Gwen Lador. Sie kommandiert das Gefangenen-Ballett und braucht dafür weder Waffen noch Wärter – und es funktioniert. Einer der Gründe warum es funktioniert ist das den meisten Filipinos und Filipinas angeborene Showtalent. Hier auf den Philippinen singt und tanzt jeder gerne, oft tief in die Nacht und zwar an jedem beliebigen Ort zu jeder Uhrzeit, gerne auch an Wochentagen und das direkt auf der Strasse vor meinem Haus.

Was als Fitnessprogramm gedacht war, hat längst Showqualitäten. Der musikliebhaber Garcia wählt die Musik aus, die Choreographien überlegt sich Gwen Lador, die den Job nur nach langem Zögern angenommen hat. „Am ersten Tag hatte ich große Angst. Ich habe den Wärtern gesagt: Weicht mir bloß nicht von der Seite! Am dritten Tag hatte ich aber schon vergessen, dass ich vor Gefangenen stehe. Sie kommen mir jetzt vor wie Freunde und entwickeln sogar eigene Ideen.“ Die Gefangenen sind wie verwandelt: Die Stimmung ist gut, es gibt keine Schlägereien mehr, die Insassen arbeiten zusammen statt sich zu bekämpfen. Der letzte Kampf liegt mehr als ein Jahr zurück.

Garcia war von dem Ergebnis so begeistert, dass er den Massentanz aufnahm und ins Internet stellte. Der „Thriller“ von Michael Jackson wurde in den zwei Jahren mehr als 23 Millionen Mal angeklickt.

Verfasst von: willanders | 29. Mai 2009

Hundeleben

Ich lebe hier auf den Philippinen wie ein Hund: von Happen. Da kommt schon mal in Deutschland ein tolles Buch auf den Markt: vom intelligenten Autor informativ geschrieben, von Politik und Gesellschaft handelnd und dennoch zum Brüllen lustig – und ich? Ich bin sowas von weit weg! Kann das Buch nicht kaufen. Heulen müsste man! Und so ernähre ich mich hier von Happen, die in Blogs, auf Portalen und in Onlineausgaben von Zeitungen erscheinen. So, jetzt geht’s mir besser.

Jan Fleischhauer, Spiegel-Autor, hat das Buch „Unter Linken“ geschrieben. In einem der Kapitel berichtet er von einer Sitzung der Islamkonferenz im bundesdeutschen Innenministerium des 21. Jahrhunderts… kaum zu glauben, aber es ist nunmal das real existierende Deutschland unserer Tage.

Ein Auszug daraus, weil’s so herrlich ist:

… Bei der ersten Sitzung ging es um Bildung. Das Innenministerium hatte zur Einstimmung den Direktor und ein paar Schüler der Berliner Rütli-Schule eingeladen, jener Neuköllner Hauptschule, deren Lehrer vor ein paar Jahren in einem flehentlichen Brief an den Senat um die sofortige Auflösung ihrer Lehranstalt gebeten hatten, weil sie die alltäglichen Pöbeleien und Gewalttätigkeiten nicht mehr ertrugen. Der neue Schulleiter, ein energisch wirkender Mann mit bestem sozialdemokratischem Hintergrund, berichtete von den Fortschritten, die man gemacht habe: Es gebe jetzt ein Wahlpflichtfach Boxen, und die T-Shirt-AG, bei der die Jugendlichen ihre Hemden mit selbstgewählten Motiven zu bedrucken lernten, sei ebenfalls sehr gut angenommen worden. Auch die Schüler versicherten, dass jetzt alles besser laufe und sie sich mehr anstrengen würden. «Wir verstehen uns auch mit den Deutschen, sie sind ja auch Menschen», sagte einer von ihnen. Die Konferenz nahm das als gutes Zeichen.

Dann gab es einen Vortrag des europäischen Pisa-Koordinators Andreas Schleicher, der einige Grafiken mitgebracht hatte, die eindrucksvoll die schulischen Schwierigkeiten der Migrantenkinder in Deutschland zeigten. Auf einem Bild sah man, wie schwer sich insbesondere junge Türken und Araber tun; die aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland Gekommenen zum Beispiel hängen, was die Schulleistung angeht, lange nicht so hinterher. Ich war auf die Erklärung dafür gespannt, aber offenbar war das Schaubild versehentlich in die Präsentation geraten. Jedenfalls redete Schleicher dann lange von den «institutionellen Barrieren» und «Selektionsmechanismen», die den Ausländerkindern den Weg versperren würden. «Am wenigsten können die Migranten selbst dafür», sagte er. Alle nickten. Die Ex-Jugoslawen oder die Polen schienen es dennoch irgendwie zu schaffen, trotz aller Selektionsbarrieren, aber diesen Gedanken behielt ich lieber für mich.

Man muss sich die Islamkonferenz wie eine lange Therapiesitzung vorstellen, bei der jeder ausführlich das Unrecht beschreibt, das ihm als Angehöriger einer ethnischen Minderheit in Deutschland widerfährt oder widerfahren kann. Der Dialog besteht darin, sich gegenseitig zu versichern, wie sehr Ausländer in Deutschland benachteiligt werden. Wer keiner zu- und eingewanderten Volksgruppe angehört, sondern als Vertreter der Mehrheitsgesellschaft dort sitzt, verhält sich am besten unauffällig und hört aufmerksam zu, welche Zumutungen er und die anderen 75 Millionen Deutschen für die Fremden in ihrer Mitte bedeuten.

Alle schienen auf Anhieb begriffen zu haben, wie die Spielregeln waren. Die eine Hälfte schilderte das Migrantenschicksal, die andere Hälfte saß da und schaute sehr betroffen. Nur einmal kam es zu einem unschönen Zwischenfall, als eine junge Türkin das Wort ergriff, Professorin für Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Anhalt in Bernburg, wie ich den Tagungsunterlagen entnahm. Sie sei es leid, dass der kulturelle Unterschied ständig als Entschuldigung diene, morgens nicht mit den Kindern aufzustehen oder nach der Schule die Hausarbeiten zu vernachlässigen: «Es gibt eine latente Akzeptanz in der türkischen Gemeinde für Eltern, die ihre Kinder schlecht erziehen», sagte sie, «sie finden Verständnis, das sie nicht verdienen.»

Es wurde sehr still im Raum. Der Sitzungsleiter, ein Herr Frehse aus der Grundsatzabteilung des Innenministeriums, guckte betreten in seine Papiere und regte dann eine Kaffeepause an. Die Runde beschloss, den Einwurf der Frau zu übergehen. Wie ich später erfuhr, stammte sie aus einer Gastarbeiterfamilie aus dem Wedding, der Vater Arbeiter in einer Schokoladenfabrik, die Mutter am Band, vier Mädchen, alle Abitur, sie die jüngste Professorin, die jemals in Deutschland einen Lehrstuhl erhalten hat. Ich hätte es interessant gefunden, mehr über ihren Lebensweg zu hören, aber ich war ja auch noch neu. Beim nächsten Mal war sie nicht mehr dabei.

In der zweiten Sitzung ging es um die Medien und ihre Verantwortung. Eine Soziologin, die als Anti-Rassismus-Forscherin vorgestellt wurde, hielt einen Vortrag über die fortlaufenden Versuche der Presse, die Muslime in ein schlechtes Licht zu rücken: Im Rundfunk sei neulich über eine Sparkasse berichtet worden, die keine Sparschweine mehr ausgebe, aus Rücksicht auf die türkischen Kunden. Alle schüttelten den Kopf. Ich fand, das Beispiel sprach eher gegen die Sparkasse als gegen die Türken, aber vielleicht hatte ich es auch einfach nicht begriffen. Dann war ein Professor aus Erfurt an der Reihe, der über ein Jahr lang alle Fernsehbeiträge von ARD und ZDF gezählt hatte, die sich mit dem Islam beschäftigten. Er hatte herausgefunden, dass die überwiegende Zahl der Beiträge «Konflikte» zum Thema hatte, zum Teil sogar «ein offen gewaltsames Geschehen». An sich keine wirkliche Überraschung, schließlich hatten sich in dem Jahr seiner Untersuchung erst vier junge Moslems in der Londoner U-Bahn und einem Doppeldeckerbus in die Luft gesprengt, dann hatte die ganze islamische Welt über ein paar Karikaturen im Feuilleton einer dänischen Zeitung kopfgestanden, und auch in Deutschland musste man mittlerweile beim Zugfahren Kofferbomben im Gepäckteil neben sich befürchten. Es ist schwer, in einem solchen Jahr konfliktfrei zu berichten, schien mir, aber das sah der Professor offenbar anders. Dann wurde beraten, was man tun könne, um das Islambild in den Medien freundlicher zu gestalten.

Die Konferenz ging das Problem sehr methodisch an. Um mich saßen, wie ich feststellen konnte, viele erfahrene Gremienfüchse, und so war die Lösung schnell gefunden: Man kam überein, künftig die Verwaltungs- und Rundfunkräte auch mit Vertretern der muslimischen Gemeinden zu besetzen, die dort dann eine «wichtige Korrekturfunktion bei der Programmplanung und -aufsicht übernehmen können», wie es der Professor unter Beifall formulierte. Jemand regte an, zusätzlich eine Quote «neutraler Berichterstattung» über den Alltag und die reiche Kultur des Islam festzulegen, ein Vorschlag, der ebenfalls sofort breite Zustimmung fand. Der Mehrheit der Islamkonferenz schien nach kurzer Diskussion 30 Prozent für den Anfang angemessen, und weil sich so eine Vorgabe nicht von selber umsetzt, verständigte man sich auf die Einrichtung eines Aufsichtsrates, der über die Einhaltung der Neutralitätsquote wachen sollte. Es war irgendwie klar, dass der Rat nicht ohne den Professor aus Erfurt auskommen würde…

Dieser Happen wurde übrigens hier Fact-Fiction hingeworfen.

Verfasst von: willanders | 25. Mai 2009

Sunshine Beach

In meiner Reihe „Die schönsten Strände von Guiuan, also der Welt“ , hehe,  heute ein Video vom heutigen Ausflug zum Sunshine Beach. Dieser Sonnenschein Strand liegt nur eine Spuckweite von Dumpao Beach entfernt. So, bevor ich mich wieder verquatsch’ , einfach gucken und träumen:

Verfasst von: willanders | 21. Mai 2009

Kinder, Kinder…

In der Jungen Freiheit stolper ich über einen Artikel, der sich mit der Kinderfrage im Westen beschäftigt:

Im Zangengriff von Egoismen

Hier ein paar Sätze daraus:

Tatsächlich sollte sich die Familienpolitik auch als eines der Politikfelder erweisen, auf denen sich die Große Koalition zu profilieren suchte. (…) Groß war nun die Ernüchterung, als das Statistische Bundesamt im April Geburtenzahlen für 2008 vorlegte und plötzlich von einem Geburtenrückgang um 1,1 Prozent oder 8.000 Kinder gegenüber dem Vorjahr sprach. (…) Aber was läuft nun alles schief? (…) Es rächt sich ganz einfach der leichtfertige Umgang der Bundesrepublik seit ihrer Gründung mit den Themen Bevölkerungspolitik, Familienlastenverteilung und Wertevermittlung. (…) Es bleibt dabei, daß sich das Individuum in Deutschland und allen westlichen Ländern zwischen mehr Konsum – zum Beispiel in Form von Urlauben und teuren Autos – oder mehr Kindern entscheiden kann und muß. (…) Konsequenterweise erreichte in den letzten Jahren in keinem entwickelten Land Europas oder Nordamerikas die angestammte Bevölkerung ein bestands­erhaltendes Geburtenniveau. Und es ist bis auf weiteres (…) nicht mit einer Trendwende zu rechnen.

Es spricht alles dafür, daß das entscheidende Moment für eine erfolgreiche Familien- und Bevölkerungspolitik im moralischen Unterbau der Gesellschaft zu suchen ist. Und dort herrscht in der westlichen Zivilisation heute überwiegend gähnende Leere. Es wird nicht genügen, für finanzielle Gerechtigkeit gegenüber Familien zu sorgen und sich dann als Staat ängstlich zurückzuhalten, weil man Angst vor Vergleichen mit der pronatalistischen Bevölkerungspolitik des Dritten Reichs hat.

Zur Umsetzung dieser Erkenntnis wird man aber an die Wurzel der Spaßgesellschaft gehen müssen (…). Hierfür wird man in Schulen und Elternhäusern Jugendlichen gegenüber zukünftig viel mehr von Pflichten und Erwartungen an sie erzählen müssen.

Davon ist Deutschland weit entfernt. Die Frage ist nur, ob die Deutschen auch gewillt sind, neuen Familienstolz und -zusammenhalt zu entwickeln oder gar sozialen Druck auf gewollt Kinderlose aufzubauen. Doch sollte berufstätigen Müttern oder Frauen, die mehrere Kinder großziehen, ohne berufstätig zu sein, wie in Frankreich eine ganz andere Wertschätzung entgegengebracht werden. Darüber hinaus muß sich die Erkenntnis durchsetzen, daß Migration, insbesondere aus bildungsfernen Kulturräumen, keinen adäquaten Ersatz für eigene Kinder darstellt.

So weit der Artikel. Aufschlussreich sind auch noch die Kommentare:

Ein Aspekt wird überhaupt nicht angesprochen. Wie will man bei einem Arbeitsmarkt, der Flexibilität und Mobilität verlangt, wo es kaum noch Anstellungen von der Lehre bis zur Rente gibt, eine Familie zusammen halten?

Insofern wäre es sicherlich eher Verantwortungsbewußtsein denn Egoismus gewesen, auf Kinder zu verzichten, bei denen ich nicht weiß, wie ich in ein paar Jahren für sie sorgen soll. Die angesprochenen Akademikerinnen hingegen haben es da deutlich besser (…)

Was man machen müsste wäre nicht das Finanzielle oder die berufliche Vereinbarkeit hervorzuheben, sondern wieder Lust auf Kinder zu machen. Stattdessen redet man immer nur von finanziellen und beruflichen Beeinträchtigungen. (…) Wenn man (…), stattdessen eine Spaß- und Konsumgesellschaft propagiert, darf man sich über weniger Kinder (…) nicht wundern. Eine Gesellschaft, die keine stabilen Ehen und Beziehungen mehr führen kann, eine Gesellschaft in welcher Kinder als Belastung thematisiert werden, hat auf lange Sicht nicht die besten Voraussetzugen überlebensfähig zu sein.

Ich habe hier vor kurzem eine etwa 40jährige Mutter von elf Kindern gefragt, warum sie denn so viele Kinder hat. Sie sah mich nur an, und in ihren Augen habe ich Ratlosigkeit gesehen: Was für komische Fragen stellt da der Ausländer! Ich konnte ihr ansehen, dass sie sich diese Frage noch nie gestellt hatte. Nach langer Überlegung kam dann: Gott hat sie mir doch  gegeben…  Alle haben viele Kinder… Und die Kinder machen doch Spass! Damit war das Thema durch.

Hier die philippinische Antwort auf die vielen Worte der Deutschen:

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Verfasst von: willanders | 20. Mai 2009

Ein Hähnchen geht unter die Gänsehaut

Die „Erste“ Welt ist hier auf den Philippinen bisweilen nur wenige Meter von der „Dritten“ entfernt.

dieser Kurzfilm kann sonst noch hier geguckt werden:  Chicken a la Carte

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