Verfasst von: willanders | 1. Dezember 2010

Der Dschungel weicht

Auf unserem Grundstück wird fleissig gearbeitet. Bisher hatte ich fest vor, die abgesägten und abgeschnittenen Zweige, Äste und Bäumchen in irgendeiner Ecke zu stapeln und zu kompostieren, aber nachdem ich gestern die Mengen gesehen habe, wird es wohl ohne das von mir so verhasste Verbrennen nicht gehen.

Hier brennt es nämlich ständig an allen Ecken und Enden. Wenn man übers Land fährt, kommt man alle Nase lang in eine Rauchwolke. Ich habe mich ständig darüber aufgeregt, zumal es gesetzlich verboten ist, Pflanzenreste zu verbrennen. Aber wen kümmern hier Gesetze. Zum einen werden die geernteten Kokosnüsse aufgespalten und geräuchert, was viel intensiv riechenden Rauch erzeugt. Das geht aber nicht anders, nur so kann man das Fruchtfleisch von der Schale trennen. Aber auch sonst wird hier ständig gekokelt. Die Filipinos kompostieren nichts. Und nun komme ich selbst in die Bredouille. Ich werde versuchen, möglichst alles irgendwo zu stapeln aber es ist soooo viel:

 

 

 

 

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Verfasst von: willanders | 26. November 2010

Tür an Tür mit Wakwak

Gestern habe ich auf unserem mehrere Tausend Quadratmeter grossem  Grundstück im Dschungel drei mögliche Standorte für unser Haus vorgeschlagen. Der erste, auf den Risas Grosseltern gleich deuteten, liegt aber viel zu dicht an den Behausungen der Bewohner an der Municipal Road. Dort würden wir den lieben Tag lang das Geschrei der vielen Kinder, das Gegacker der Hühner und das fiepsige Gejaule von Modern Talkings Dieter Bohlen in atemraubender Lautstärke ertragen müssen. Diese Location verspricht zwar sehr viel Nestwärme, welche die Filipinos so lieben, aber eben zu wenig Privatsphäre und Ruhe, die für uns Weisse Lebensqualität bedeutet.

Also verneinte ich diesen Vorschlag sofort und schlug stattdessen eine Ecke an der Seite des Grundstücks, etwa 60 Meter weiter, ziemlich dicht an der Grundstücksgrenze vor, etwas versteckt – einmal hinter dichtem Buschwerk, zum anderen in einer leichten Bodensenke. Der Gesichtsausdruck der umherstehenden Filipinos verriet keine Begeisterung, aber erstmal hiess es, wenn es denn unbedingt dort sein muss… Auf meine Nachfrage, warum nicht?, kam keine Antwort. Und als wir heute morgen dort wieder ankamen, da versuchten die Grosseltern, Risa diese Location auszureden. Dort treibt nämlich der Wakwak (auch hier) sein Unwesen. Gleich wurde mir klar, warum ich gestern keine Antwort bekam: Sie haben befürchtet – zurecht! -, dass mich dieser Grund nicht einen Zentimeter von diesem Ort wegbringen könnte.

Als ich aber merkte, dass es ihnen damit ernst ist, hab ich dann eine Stelle etwas näher an der Strasse vorgeschlagen, aber – hoffentlich – immer noch weit genug, um beim Morgenkaffee zum Sonnenaufgang den Weckruf der Waldvögel und beim Mittagsschlaf in der Hängematte auf der Veranda das Gekeife der Makaken in den Wäldern an den felsigen Hügeln landeinwärts hören zu können. Ich denke, dass wir alle mit dieser Lösung leben können. Auch der Wakwak, der wir dann eben als Nachbar statt Mitbewohner haben.

Bei dem gestrigen Besuch habe ich ein paar Fotos gemacht, damit der Zustand vor den Menschen dokumentiert wird. So wird es dort nämlich nie wieder aussehen.

Risa freut sich – ich auch, auch wenn der Urwald erst einmal gerodet werden muss. Aber vor dem inneren Auge sehen wir schon, wie es mal fertig aussehen wird.

Und Risas Grosseltern freuen sich, dass jemand aus der Familie das Grundstück übernimmt. Die Kinder zogen alle in die Stadt, keiner wollte da bleiben oder später zurück, und so wucherte die Wildnis ohne Gegenwehr bis die Enkelin einen verrückten Ausländer traf, der vom Leben am weissen Strand, unter Palmen und azurblauen Himmel träumte.

Ab sofort wird zurückgerodet!

Unser Traumhaus! 🙂  Plötzlich, mitten im tiefen Dschungel, läuft man gegen dieses Baumhaus. Wir müssen noch den Bewohner ausfindig machen und dann wird über das weitere Schicksal dieser Traumimmobilie entschieden.

Weitere Viertelstunde in Richtung Osten wird die Brandung immer lauter bis man plötzlich am Strand steht.

Soweit das Auge reicht – nach Norden…

… wie gegen Süden: keine Menschen weit und breit. Kein Wunder, wer ist schon so verrückt und geht bis an den Anfang der Welt! Ausser mir, meiner lieben Risa und später vielleicht ein paar wintermüden Weissen, die den Winter mit uns zusammen am naturreinen Strand, kristallklarem Pazifik und unter Palmen verbringen wollen. Und natürlich mit Wakwak als Nachbar.

Verfasst von: willanders | 25. November 2010

Voltaire zum Sonnenaufgang

Wir  ziehen  zurzeit um, aus  dem Städtchen Guiuan raus in den Dschungel, an einen schneeweissen menschenleeren Strand am azurblauen endlosen Pazifik; in die „Wildnis“ halt – ohne Internet, ohne fliessend Wasser, ohne Kanalisation. Wir werden dort einen Brunnen bohren, uns ein Häusschen bauen und eine Weile bleiben.

Und dazu fällt mir heute morgen das passende Zitat von Voltaire in die Hände: „Da ich nun einmal nicht imstande war, die Menschen vernünftiger zu machen, war ich lieber fern von ihnen glücklich.“

Verfasst von: willanders | 12. November 2010

Guten Abend!

Als ich heute Abend in die Küche kam, waren die beiden Mädels noch am Kochen. Nachdem ich unsere Haustiere dann auch noch vollgekriegt hatte und unser Fisch immer noch am Bruzeln war, schnappte ich mir meine kleine Kamera und machte aus dem Fenster heraus einfach so ein paar Fotos. Weil mir nämlich einfiel, dass ich hier noch nie solche Fotos gezeigt habe. Also jetzt hole ich das nach:

 

 

 

 

Verfasst von: willanders | 26. Oktober 2010

Geld und Politik

Seit Tagen konnten wir in Guiuan nicht einkaufen. Ob in Susans Viva, ob auf dem Markt  oder beim Bäcker – egal wo wir unseren 500 Pesoschein vorzeigten (kleiner hatten wir’s nicht, unser Kleingeld war schon vor Tagen ausgegeben), die Verkäufer winkten nur ab, und es galt, die Einkäufe wieder auszupacken und unverrichteter Dinge nach Hause zu fahren. So ging das seit Tagen. Wir machten uns schon Sorgen, dass wir womöglich nach Tacloban fahren müssen, um diesen Schein zu wechseln; ich ärgerte mich über die philippinischen Händler ohne jeden Geschäftssinn, die sich jeden Umsatz verderben  nur weil sie zu blöd sind, sich rechtzeitig mit Wechselgeld einzudecken.

Gestern abend haben wir das Grillrestaurant von Klaus und Ami besucht. Klaus rief uns schon am Eingang zu, hoffentlich kommen wir mit grossen Scheinen – und fuchtelte mit Bündeln 20- und 50-Pesoscheinen in der Luft herum. Nanu? Gestern gab es überall die Wahlen zu Barangay-Captain. Und wie es hier so üblich ist, köderten die Kandidaten ihre potentiellen Wähler mit Geld. Weil es sich um eine niedrige Stufe in der Hierarchie handelt, waren die Wähler diesmal nur 20 bzw. 50 Peso wert. Um genug von diesen Scheinen am Wahltag zu haben, hamsterten die Kandidaten diese seit Tagen und so gab es keine kleinen Scheine im Handel.

Gestern abend nach der Wahl brummte Klaus‘ Grill, Ami konnte uns kaum begrüssen, so beschäftigt war sie. Die beiden haben einen Rek0rdumsatz gemacht, nur am Wahltag zum Nationalparlament im Mai haben sie mehr verkauft. Denn die Wähler haben gleich nach dem Verlassen der Wahllokale bei Klaus an der Ecke einen Halt gemacht und ihre Stimme in gegrillte Hähnchenschenkel und Bier umgemünzt. Und dafür gaben sie ihre 20- und 50-Pesoscheine aus, die sie soeben für die Stimmabgabe bekommen hatten. Klaus wusste nicht mehr, wohin mit den vielen kleinen Scheinen, und wir konnten unsern 500 Pesoschein endlich wechseln.

Die Zahlen zur Wahlbeteiligung liegen mir nicht vor, aber sie dürften höher als in Deutschland liegen. Und heute morgen war von dem Wechselgeldengpass auf dem Markt und in Susans Viva nichts mehr zu spüren.

Verfasst von: willanders | 24. Oktober 2010

Von Affen und Menschen

Während wir heute nachmittag auf der Veranda eines französisch-philippinischen Ehepaares sitzen und cafè au lait schlürfen, kommen kleine Berberaffen (Macaca sylvanus) den Felsen hinterm Haus scharenweise herunter, schauen nach Essbarem, das sie stehlen könnten und schlagen dabei einen fürchterlichen Krach. Bisweilen erwecken sie den Eindruck, dass sie pure Freude an der Provokation der Hausherren empfinden. Der Vater erinnert sich, wie sein nunmehr 17jähriger Sohn sich vor einigen Jahren beim Verfolgen der Meerkatzen hinterm Haus an den spitzen Felsbrocken die schlimmste Verletzung seines Lebens holte: ein aufgeschlagenes Knie.

 

In dem Moment kommt ein Anruf aus Genf. Der Sohn, der dort seit wenigen Wochen bei den Grosseltern lebt und auf ein Gymnasium geht, wurde gestern von vier nordafrikanischen Arabern überfallen. Bei dem Versuch, ihm das Handy zu stehlen, traten sie gegen den Kopf des am Boden liegenden. Dabei wurde unter anderem ein Auge erheblich verletzt, Gott sei Dank soll er an dem Auge weiterhin sehen können.

Die Eltern überlegen nun, ihren Sohn auf die Philippinen zurückzuholen, wo er sich allenfalls blutige Knie beim Verfolgen von Berberaffen holen kann. In der Schweiz wird er von ihnen verfolgt, und es bleibt niemals beim blutigen Knie. Ok ok, ich gebe zu: Der Vergleich ist zu hart. Ich sehe ein, ich tue den putzigen Tierchen aus dem Regenwald von Eastern Samar ein grosses Unrecht, wenn ich sie mit den Bestien aus Nordafrika vergleiche.

Verfasst von: willanders | 13. Oktober 2010

Guiuan Fiesta (4) – Beauty contest

Und am Vorabend der Fiesta, am Samstag haben ein paar junge Damen um den Titel der Schönsten im ganzen Land Eastern Samar konkurriert. Wir waren nur eine gute Stunde da, die Entscheidung soll gegen drei Uhr morgens gefallen und  vor zahlreichen mitfiebernden Zuschauern verkündet worden sein. Die Gewinnerin bekam übrigens 10.000 Pesos und eine Reise nach Hongkong geschenkt.

 

Verfasst von: willanders | 13. Oktober 2010

Guiuan Fiesta (3)

An einem anderen Abend, ich glaube es war Mittwoch, kamen wir an der Plaza an. Als jemand sagte, heute treten Priester auf, da wollte ich schon umdrehen – zumal am Vorabend Schüler des katholischen Gymnasiums in Guiuan eine furchtbar langweilige Show ablieferten. Aber  noch bevor ich das mit Risa und Aiko besprechen konnte, standen auf einmal ganz in schwarz gekleidete Gestalten auf der Bühne und von der ersten Minute an fesselten sie das Publikum, mich also auch:

Und nach der Pause legten sie ihre Soutanen ab und fingen  an zu rocken. Natürlich sind wir bis zum Ende der Show dageblieben, und jede Minute der etwa zweistündigen Show war einfach toll!

 

Es handelt sich um Priester verschiedener Pfarreien in der Provinz Leyte. Sie treten offensichtlich öfter in dieser Formation auf. Wäre ich vor der Show nach Hause gegangen, wäre mir eine unvergessliche Show entgangen. Gott sei dank sind wir da geblieben.

Verfasst von: willanders | 12. Oktober 2010

Die Ringparabel auf philippinisch

Gestern abend saßen wir – Risa, Risas Cousine Aiko und Aikos Freundin Sitty, beide 17 – zum Abendbrot am Küchentisch. Sitty geht mit Aiko zur selben Schule und ist fast täglich bei uns. Sie ist auch die einzige Mohammedanerin hier, die ich kenne. Und gestern fragte Risa sie, warum sie Mohammedanerin ist wie ihr Vater und nicht Katholikin wie ihre Mutter. Sie schaute Risa nur erstaunt an und meinte, das wäre ja selbstverständlich, wenn mindestens einer der Eltern mohammedanisch ist, dann ist das Kind automatisch Mohammedaner. Nun ja. Und dann fragte Risa, ob Sitty schon mal auf Mindanao war, dem Siedlungsgebiet der weitaus meisten Mohammedaner hier auf den Philippinen. „Nein.“ Und warum? „Viel zu gefährlich. Die Abu Sayaf bringen dort viele Menschen um.“

Also zum mitschreiben: Eine Mohamedanerin fürchtet sich, ein Gebiet zu besuchen, in dem ihre Glaubensbrüder herrschen!

Als ich darüber nachdachte, da fiel mir noch auf, dass der Islam im Vergleich zum Christentum verloren hat – zumindest als Friedensreligion. Beweis? Beide Religionen haben vor Jahrhunderten die gleiche Bevölkerung übernommen, die gleiche Mischung aus Polynesiern, Malayen, Chinesen, Spaniern, Japanern, Taiwanern und vielen anderen Völkern. Die Mohammedaner auf Mindanao und die Christen im übrigen Teil der Philippinen. Und heute kommen Nachrichten über Entführungen, Enthauptungen der Geiseln, Lösegeldforderungen, Brandstiftungen an Kirchen, Massenvergewaltigungen, Morde an Priestern und Messebesuchern, Bombenattentate auf Einkaufszentren, Busse und Bahnhöfe, Morde und Mordversuche an Unschuldigen also  – zum weitaus grössten Teil eben aus Mindanao, aus dem mohammedanisch geprägten Teil des Landes. Natürlich gibt es auch Kriminalität im christlichen Teil, aber mein Eindruck sagt mir, es ist bei weitem nicht so viel wie  bei den Mohammedanern. Und vor allem gibt es im christlichen Teil keine religiös bedingten Taten, im Gegesatz zu Mindanao.

Also hier kann niemand sagen, man vergleicht Äpfel mit Birnen. Beide Religionen hatten die gleichen Ausgangsbedingungen. Das jeweilige Resultat fällt aber sehr unterschiedlich aus.

Verfasst von: willanders | 1. Oktober 2010

Fiesta in Guiuan (2)

Am folgenden Dienstagabend tanzten wieder junge Leute auf der Bühne, und ich war wieder begeistert dabei:

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